Das tut man keinem Hund an!
 
Wer seinen Hund im geschlossenen Auto an der Sonne brüten lässt, gilt als Tierquäler und muss mit massiven Bussen oder sogar Haft rechnen.

Auch ein spaltbreit geöffnetes Fenster ist für Hunde keine Rettung vor der Hitzefalle Auto. 
Man sieht es immer wieder: In einem hermetisch verriegelten Auto unter brütender Sonne hechelt ein Hund vor sich hin und wartet auf den Teufel, der ihn in dieser Lage zurückgelassen hat.
Wie man das einem Tier auch nur für kurze Zeit antun kann, ist unbegreiflich. Denn eigentlich sollte jedem Autofahrer klar sein, dass sich ein geschlossenes Auto an der prallen Sonne im Innenraum innert kürzester Zeit auf Temperaturen von bis zu 60, 70 Grad aufheizen kann. Solche Hitze wirft auch den stärksten und gesündesten Hund nach wenigen Minuten um und lässt ihn unter Umständen nicht wieder zu sich kommen: Kreislaufkollaps! Auch spaltbreit geöffnete Fenster helfen in so einer Situation einem Tier nicht.

Gilt als Tierquälerei

Wird ein Hundehalter erwischt, wie er seinen «Liebling» im geschlossenen Auto an der Sonne zurücklässt, droht ihm eine Busse in der Höhe bis zu 20 000 Franken oder im schlimmsten Fall eine Haftstrafe (bei nachgewiesener Absicht beispielsweise). Ein in einem Auto eingeschlossener Hund muss übrigens nicht den Hitzetod sterben, damit der Hundehalter bestraft werden kann. Das Bundesgericht hat 1992 entschieden, dass Tierquälerei bereits gegeben ist, wenn ein Tier wegen fehlender oder ungenügender Fürsorge erheblich leidet und sein Wohlbefinden stark beeinträchtigt ist.


Das sagt das Gesetz

Kann einem Tier in Not von aussen Stehenden geholfen werden? Zum Beispiel, indem man eine Seitenscheibe einschlägt? Ja, das ist möglich, und zwar ohne gerichtliche Konsequenzen befürchten zu müssen. Grundsätzlich gilt aber:
Zuerst die Polizei rufen. Erst wenn ersichtlich ist, dass diese nicht rechtzeitig auf dem Platz ist, um dem Tier zu helfen, darf zur so genannten «notwendigen Selbsthilfe» gegriffen werden (OR Art. 52 Abs. 3).
Wenn Sie dabei – also zum Beispiel beim Einschlagen eines Seitenfensters – die nötige Sorgfalt walten lassen und nicht die ganze Seite des Autos zertrümmern, besteht keine gesetzliche Ersatzpflicht für den angerichteten Schaden.
Der Gesetzgeber geht nämlich davon aus, dass der Hundehalter sein Tier nicht absichtlich schmachten lässt; demzufolge handeln Retter solcher Tiere sogar mit der «mutmasslichen Einwilligung des Tierhalters». Vor dem Gesetz gelten Sie in so einer Situation in der Juristensprache als «Geschäftsführer ohne Auftrag» (OR Art. 419 ff).
Zudem bewahren Sie den Hundehalter vor dem Begehen einer Straftat, nämlich der (zumindest fahrlässigen) starken Vernachlässigung seines Vierbeiners (TSchG Art. 27 Abs. 2).


Hier das richtige Vorgehen, wenn in einem Auto ein Hund entdeckt wird, der offensichtlich leidet:
 

Sofort Polizei alarmieren.

Erst selber eingreifen, wenn ersichtlich ist, dass die Polizei zu spät kommen wird.
Anzeichen dafür sind sehr starkes Hecheln des Hundes, hilfloses Herumspringen
im Auto, lautes Jaulen oder Winseln, aber auch Mattigkeit, Apathie oder gar Bewusstlosigkeit des Tieres.
Legen Sie einen befreiten Hund in den Schatten, befeuchten Sie seinen Körper und die Beine mit nassen Tüchern, die Mundhöhle mit Wasser. Weiter gehende Behandlungen sollten einem Tierarzt überlassen werden.
Wichtig: Erstellen Sie ein Protokoll zum Sachverhalt und zu Ihrer Handlungsweise. Das ist wichtig, falls der Autohalter gegen Sie ein Verfahren wegen Sachbeschädigung anstrengt.
 




Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe 27/2006 der «Automobil Revue»


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